Steuern für Grenzgänger

Ab dem 1. Januar 2021 wird das neue Steuerkonstrukt, Quasi-Ansässigkeit, eingeführt. Die quellensteuerpflichtigen Personen, die im Ausland steuerlich ansässig sind und die Voraussetzungen an die Quasi-Ansässigkeit erfüllen, können ab dem 01.01.2021 für jedes Jahr bis am 31. März des auf die Fälligkeit der Leistung folgenden Steuerjahres einen Antrag auf nachträgliche ordentliche Veranlagung bei Steuerverwaltung einreichen.
Die hier wiedergegebenen Regeln sind zwingender Natur, Arbeitgeber und -nehmer haben grundsätzlich keine Gestaltungsfreiheit. Deswegen und aufgrund der Verzugszinsen ist es empfehlenswert, dass derartige Sachverhalte geklärt werden.

Zieht ein in Deutschland ansässiger Gesellschafter-Geschäftsführer einer Schweizer Kapitalgesellschaft in die Schweiz um, sind die Wertzuwächse aus seiner Beteiligung nicht bereits bei seinem Wegzug der deutschen Einkommensteuer zu unterwerfen (FG Baden-Württemberg, Gerichtsbescheid v. 31.8.2020 - 2 K 835/19). Der EuGH stellte im Vorfeld die Unvereinbarkeit der sofortigen Wegzugsbesteuerung bei einem Wegzug aus Deutschland in die Schweiz fest (EuGH, Urteil v. 26.2.2019 - C-581/17 „Wächtler“).
Aufgrund von DBA-Abkommen CH-DE gelten für die Quellenbesteuerung von Ersatzeinkünften von Grenzgängern und Grenzgängerinnen folgende Besonderheiten: 1 Der Schweiz steht bei täglicher Heimkehr ein Quellensteuerabzug von maximal 4,5% der Bruttoeinkünfte zu. 2 Die in der Schweiz erhobene Steuer wird vom ausländischen Wohnsitzstaat angerechnet. 3 Besteuerung im Arbeitsortsstaat gilt nur bei Ausübung einer Tätigkeit bei einem öffentlich-rechtlichen Arbeitgebenden.

Vermietet ein Arbeitnehmer seine Wohnräume als Arbeitsräume an seinen Arbeitgeber für dessen Unternehmen, kann er grundsätzlich die ihm für Renovierungsaufwendungen in Rechnung gestellte deutsche Umsatzsteuer als Vorsteuer steuermindernd zurückfordern. (BFH Urteil vom 07.05.2020 - V R 1/18)
Einst waren Grenzgänger Personen, die höchstens 20 Kilometer von der Grenze entfernt wohnten und täglich zu ihrem Wohnort zurückkehrten. Heute fällt steuerlich jede Person, die folgende Merkmale aufweist unter diesem Begriff: (i) regelmässige unselbstständige Erwerbstätigkeit, (ii) Wohnsitz im grenznahen Raum, (iii) tägliche Arbeit im anderen Staat und (iv) Rückkehr an den Wohnsitz nach Arbeitsende. Erachtet Ihr diese neue Möglichkeit der Besteuerung in der Schweiz als gut?

Dass eine Person ohne Funktionsbezeichnung im Handelsregister eingetragen sei, stehe seiner Einbeziehung in den leitenden Personenkreis »leitender Angestellter« nicht entgegen, entschied das deutsche Finanzgericht. Dies genüge den Anforderungen von Konsultationsvereinbarungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Schweizerischen Eidgenossenschaft (Az. I R 60/17).
Sollte Ihre Hauptwohnung am Beschäftigungsort liegen, wird die zweite Wohnung als doppelte Haushaltsführung nicht anerkannt, sofern die Arbeitsstätte in zumutbarer Weise von der Hauptwohnung täglich erreicht werden kann. (BFH Urteil vom 16.11.2017).

Ein Arbeitnehmer, der vor Auszahlung seiner Abfindung aus einem deutschen Arbeitsverhältnis in die Schweiz verzogenen ist, muss die Abfindung in dem Staat versteuern, in dem er zum Zeitpunkt der Auszahlung der Abfindung ansässig war.
Altersvorsorgeaufwendungen und Krankenversicherungsbeiträge von in einem EU-EWR Mitgliedstaat tätigen, aber in Deutschland wohnenden Arbeitnehmern, deren Arbeitslohn nach einem Doppelbesteuerungsabkommen von der deutschen Besteuerung freigestellt ist, sind vom Sonderausgabenabzug ausgenommen (EuGH, 22. Juni 2017)

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