Ricardo, Ebay & Co: Bin ich ein privater oder gewerblicher Verkäufer? Teil 1

Viele kennen das: Ihre Kleider sind aus der Mode gekommen. Ihre Möbel gefällt Ihnen nicht mehr. Die Kinder sind ausgezogen. Bücher sind fertig gelesen. Sie verkaufen alles, was Sie nicht mehr brauchen, über ein Online-Portal. Dann kommen Sie auf Idee, regelmässig online mit eigenen oder fremden Waren on Demand zu handeln oder über Affiliate ohne Waren Geld zu verdienen.


Kaufen Sie Ihre Waren z. B. in der EU oder in China ein, lassen diese an eine deutsche Adresse liefern und verkaufen diese in der Schweiz? Sofern Sie als privater Verkäufer aktiv sind, könnten aus der Regelmässigkeit rechtliche Probleme erwachsen, egal ob Sie in der EU, Dubai oder in der Schweiz wohnen bzw. gemeldet sind.

Was ist steuerlich zu beachten?

Die Steuerbehörden, ob in der Schweiz, in Deutschland oder in der EU sind auf dem Laufenden, welche Personen und Unternehmen online regelmässig oder immer wieder aktiv sind und dort neue oder gebrauchte Waren verkaufen. Eine selbstständige Tätigkeit, die mit einer Absicht, Gewinne zu erzielen, durchgeführt wird, wird als Gewerbebetrieb beurteilt. Gewinne, welche durch Verkäufe auf Ricardo, Ebay, Amazon etc. entstehen, sind in der Steuererklärung zu deklarieren, sofern es sich bei Ihrer Tätigkeit nicht um Einzelfälle handelt. Je nachdem, in welchem Land Sie tätig sind und ob die Mindestschwelle überschritten ist, wären im Fall des gewerblichen Handels, die Umsatzsteuern und ggf. die Sozialversicherungsabgaben geschuldet. Nun möchten Sie wissen, sind Sie privat oder gewerblich tätig?

Der EuGH entschied: Allein die Anzahl von Verkaufsangeboten sei nicht entscheidend. Folgende Kriterien seien bei der Beurteilung heranzuziehen (Urteil v. 04.10.2018, Az. C-105/17):

a) Es käme auf den Einzelfall an, ob jemand privat verkaufe oder nicht. Gewerbetreibender wären Sie i.d.R. aufgrund der „Geschäftspraxis", also beim Verkauf im Rahmen einer regelmässigen gewerblichen Tätigkeit.
Eine Person, die eine Reihe von Angeboten (hier: neue oder gebrauchte Waren) auf einer Plattform veröffentlicht, sei ein „Unternehmer“, sofern sie im Rahmen ihrer regelmässigen beruflichen Tätigkeit handelt.
b) Weitere Kriterien sind die Art der Waren, Präsentation etc.
c) Ferner ist die Frage, ob Ihre Verkäufe „planmässig“ erfolgen, wichtig.
Wie die Sache in einzelnen Fällen ausgeht, liegt im Ermessen der jeweiligen Länder bzw. Gerichte. Wir empfehlen Ihnen, die Auseinandersetzungen mit Gerichten und Steuerbehörden zu vermeiden, und lieber eine steuerliche Beratung vorzuziehen.

Den 2. Teil des Artikels "Was ist rechtlich zu beachten?" finden Sie hier.

Den 3. Teil des Artikels "Der neue EU-Steuer-Aktionsplan" finden Sie hier.

Den 4 Teil des Artikels "Abkommens über Zollsicherheit" finden Sie hier.

Haben Sie Fragen? Unser Ziel ist seit Jahren einfach - A-S-C-L Experten helfen Menschen. Möchten Sie wissen, ob Sie ein privater oder gewerblicher Online-Verkäufer sind? Übermitteln Sie zwecks Prüfung Ihre Angaben bzw. Ihre Unterlagen an uns direkt von zuhause oder rufen Sie uns an.